23 000 LEBEN
Wissenswertes zum Film und den Hintergründen
Mit dem 33 Meter langen Fischkutter Iuventa, der zu einem Seenotrettungsschiff umgebaut wurde, begann die Mission der von einer Gruppe um Jakob Schoen gegründeten Initiative „Jugend Rettet”. Viele Unterstützer*innen schlossen sich an, halfen beim Umbau und ermöglichten den Beginn der Einsätze. Mission um Mission wuchs der kleine Berliner Verein von einem aufrüttelnden Signal zu einer lebensrettenden Aktion, die der Wirklichkeit auf dem Mittelmeer etwas entgegensetzte. Obwohl die Gruppe nach der Einstellung des europäischen Seenotrettungsprogramms Mare Nostrum 2015 zunächst nur ein Zeichen setzen wollte, gelingt es dem Seenotrettungsprojekt, bei seinen 16 Missionen von Juli 2016 bis August 2017 23.000 Menschenleben zu retten.
Die Crew der Iuventa half im Verlauf von 16 Missionen dabei, dass mehr als 23.000 Menschen auf 175 Booten die Flucht aus libyschen Lagern über das Mittelmeer überlebten und einen sicheren Hafen in Europa erreichten. Die Crew verteilte Schwimmwesten, leistete Erste Hilfe und stabilisierte überfüllte Boote, bis weitere Hilfe eintraf. Mehr als 9.000 Menschen wurden an Bord der Iuventa selbst aufgenommen. Viele benötigten sofortige medizinische Versorgung aufgrund von Verletzungen, die sowohl durch die Meeresüberquerung als auch durch die Gewalt auf der Migrationsroute durch Libyen verursacht wurden: Dehydrierung, Unterkühlung, Kreislaufkollaps, Verbrennungen durch Treibstoff, Beinahe-Ertrinken, Aspirationsverletzungen und Schwangerschaftskomplikationen.

Im August 2017 wird die Iuventa von den italienischen Behörden beschlagnahmt. Die Staatsanwaltschaft erhebt schwere Vorwürfe: „Beihilfe zur unerlaubten Einreise“ in Zusammenarbeit mit libyschen Schleusernetzwerken. Es drohen mindestens 5 bis 20 Jahre Haft und Millionenstrafen. Erst am 19. April 2024 wird die Iuventa-Crew in allen Anklagepunkten freigesprochen.
Früh wird der italienische Dokumentarfilmemacher Michele Cinque auf die Arbeit von „Jugend Rettet“ aufmerksam. Er begleitet die Iuventa ein Jahr lang mit seiner Kamera, bei Rettungen und internen Gesprächen. 2018 veröffentlicht er seinen Film Iuventa, der auf zahlreichen Festivals läuft und auch in die deutschen Kinos kommt.
Inspiriert von Michele Cinques Dokumentarfilm Iuventa, plant der Berliner Produzent Christopher Zwickler von Neue Flimmer GmbH, die Geschichte von „Jugend Rettet“ mit Unterstützung von Cinque als seinen ersten großen Film nach dem spektakulären „The Magic Flute – Das Vermächtnis der Zauberflöte“ von Regisseur Florian Sigl umzusetzen. Er bringt das Projekt zu Regisseur Markus Goller und Drehbuchautor Oliver Ziegenbalg.
Regisseur Markus Goller und Drehbuchautor Oliver Ziegenbalg sind ein eingespieltes Team. Beginnend mit „Friendship!“, dem erfolgreichsten deutschen Kinofilm des Jahres 2010, haben sie gemeinsam fünf Filme realisiert, vier davon mit ihrer 2017 gegründeten Produktionsfirma Sunnysideup Film GmbH: „25 km/h“, „One For The Road“, „Die Ironie des Lebens“ und jetzt 23 000 Leben, ihre aufwändigste Produktion bislang.
Louis Hofmann spielt bereits zum dritten Mal die Hauptrolle in einer großen Netflix-Produktion. Ab 2017 war er als Jonas Kahnwald in Dark von Jantje Friese und Baran bo Odar zu sehen, seinerzeit die erste deutsche Produktion von Netflix überhaupt. 2023 war der 29-Jährige neben Aria-Maria Liberti, Lars Eidinger, Mark Ruffalo und Hugh Laurie Hauptdarsteller der Bestsellerverfilmung Alles, was wir sehen können, die von Peaky Blinders-Autor Stephen Locke geschrieben und von Deadpool & Wolverine-Regisseur Shawn Levy inszeniert wurde.

Die weiteren Darsteller*innen lesen sich wie ein Who’s Who der jungen deutschen Schauspielbranche: Mala Emde („Köln75“, „Das gewisse Etwas“), Katharina Stark („Deutsches Haus“, „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“), Luisa-Céline Gaffron („Und morgen die ganze Welt“, „8 Tage“), Maria Dragus („R.M.N.“, „Rose“, „Banksters“) plus Frederick Lau („Das perfekte Geheimnis“, „One For The Road“, „Brick“, „Crooks“). Für Gastauftritte konnten große Namen wie Corinna Harfouch, Ulrich Matthes, Franka Potente, Katja Riemann und Herbert Knaup gewonnen werden.
Ein Großteil der Aufnahmen auf dem Meer wurde in einem der beiden riesigen Wassertanks in den Mediterranean Film Studios in Kalkara, Malta, realisiert, wo man auf Über- und Unterwassereffekte spezialisiert ist. Dort wurden Szenen für Filmklassiker wie Casino Royale, Troja, U-571 oder die beiden Wickie-Filme, aber auch Werbefilme und Musikvideos gedreht. Unmittelbar vor 23 000 Leben wurde in den Tanks für Jurassic World: Die Wiederauferstehung und Gladiator II gedreht. Die Tanks – neben Malta verfügt nur Mexiko über solche – funktionieren wie riesige Infinity Pools. Wenn sie bis zum Rand mit Wasser gefüllt sind, ist es möglich Aufnahmen zu machen, die wirken, als wäre man mitten auf dem Meer.
Zwei Oscargewinner waren hinter der Kamera an 23 000 Leben beteiligt: Szenenbildner Christian Goldbeck und Komponist Volker Bertelmann. Beide gewannen ihren Academy Award für ihre Arbeit an der Netflix-Produktion Im Westen nichts Neues von Edward Berger.
